Wer nach den Kosten für eine mobile Baustellenüberwachung sucht, findet bei den großen Anbietern durchweg dasselbe: „Preis auf Anfrage“. Das ist ärgerlich, wenn man nur wissen will, ob sich das Thema überhaupt lohnt. Dieser Beitrag erklärt, warum es keine Preisliste gibt, welche sechs Faktoren den Preis tatsächlich bestimmen und mit welchen Fragen Sie zwei Angebote vergleichbar machen.
Warum Sie online keine Preisliste finden
Der Grund ist weniger Geheimniskrämerei als Rechenlogik. Ein Videoturm wird vermietet, nicht verkauft, und der Tagessatz hängt an Faktoren, die sich von Objekt zu Objekt stark unterscheiden: Eine 300 Quadratmeter große Innenstadtbaustelle für drei Wochen und ein 4 Hektar großer Solarpark über neun Monate haben mit demselben Produkt nichts miteinander zu tun. Eine Pauschale wäre entweder für die kleine Fläche zu teuer oder für die große zu knapp kalkuliert.
Was Sie trotzdem erwarten dürfen: eine nachvollziehbare Aufschlüsselung. Ein seriöses Angebot zeigt, woraus sich der Preis zusammensetzt, statt eine Summe ohne Herleitung zu nennen.
Die sechs Faktoren, die den Preis bestimmen
- 1. MietdauerDer wichtigste Hebel. Der Tagessatz sinkt mit der Laufzeit deutlich, weil An- und Abfahrt sowie Aufbau nur einmal anfallen. Eine Woche kostet pro Tag erheblich mehr als sechs Monate.
- 2. Anzahl der TürmeHängt an Größe und Zuschnitt der Fläche, nicht nur an den Quadratmetern. Ein langgezogenes Baufeld mit Sichthindernissen braucht mehr Masten als ein kompaktes Rechteck gleicher Größe.
- 3. ÜberwachungszeitenNur nachts und am Wochenende ist günstiger als durchgehend. Auf einer Baustelle mit Tagbetrieb reicht die Nachtschaltung meistens aus.
- 4. Leistungsumfang der LeitstelleReine Alarmverifikation ist die Basis. Täteransprache über Lautsprecher, Entsendung einer Interventionskraft und Polizeialarmierung sind Stufen darüber und schlagen sich im Preis nieder.
- 5. Technische AusstattungThermalsensorik, zusätzliche Kameras, Flutlicht oder eine längere Akkulaufzeit mit Solarunterstützung sind nicht in jedem Turm gleich verbaut.
- 6. AnfahrtEinmalig für Auf- und Abbau. Bei einem Anbieter aus der Region fällt dieser Posten spürbar kleiner aus als bei einer Anfahrt quer durch Deutschland.
Videoturm oder Wachpersonal: die Rechnung, die wirklich zählt
Die häufigste Frage ist nicht „Was kostet ein Turm?“, sondern „Ist der Turm günstiger als ein Wachmann?“. Rechnen Sie dafür nicht Stundensatz gegen Tagessatz, sondern vergleichen Sie die abgedeckte Fläche pro Euro.
Ein Wachmann kann zu jedem Zeitpunkt genau einen Ort beobachten. Während er die Nordseite kontrolliert, ist die Südseite unbeobachtet. Bei einer durchgehenden Besetzung über Nacht, am Wochenende und an Feiertagen kommen außerdem Zuschläge dazu, und eine Schicht lässt sich nicht beliebig lang besetzen. Ein Videoturm deckt vom Mast aus die gesamte Fläche ab, braucht keine Pause und kostet nachts dasselbe wie tagsüber.
Umgekehrt gilt: Ein Turm greift nicht ein. Er meldet, spricht an und dokumentiert – vor Ort handeln kann nur ein Mensch. Wo Zugänge kontrolliert, Lieferungen angenommen oder Besucher eingewiesen werden müssen, ersetzt Technik kein Personal. Auf vielen Baustellen ist deshalb die Kombination am wirtschaftlichsten: Der Turm hält die Fläche rund um die Uhr im Blick, Personal kommt gezielt dann, wenn es gebraucht wird.
Angebote vergleichen: acht Fragen, die Klarheit schaffen
Zwei Angebote mit unterschiedlichen Summen sagen wenig, solange nicht klar ist, was jeweils enthalten ist. Fragen Sie beide Anbieter dasselbe:
- Sind Anlieferung, Aufbau, Einrichtung und Abbau im Preis enthalten oder werden sie gesondert berechnet?
- Wie lange ist die Mindestmietdauer, und was passiert bei vorzeitigem Projektende?
- Ist die Aufschaltung auf eine Leitstelle enthalten – und ist es eine eigene oder eine zugekaufte?
- Was genau passiert im Alarmfall? Nur Benachrichtigung, oder auch Täteransprache und Intervention?
- Sind Interventionsfahrten enthalten oder werden sie pro Einsatz abgerechnet?
- Wer stellt die datenschutzrechtlich erforderliche Beschilderung, und wer dokumentiert die Kameraausrichtung?
- Wie schnell ist der Turm nach Auftragserteilung vor Ort?
- Was kostet ein zusätzlicher Turm, wenn sich das Baufeld erweitert?
Spätestens bei Frage vier und fünf trennen sich die Angebote. Ein niedriger Grundpreis mit Einzelabrechnung jeder Interventionsfahrt kann am Monatsende teurer sein als ein höherer Pauschalpreis.
Drei typische Fehler beim Vergleich
Nur auf den Monatspreis schauen. Die einmaligen Kosten für Anfahrt, Aufbau und Abbau können bei kurzer Laufzeit einen erheblichen Anteil ausmachen. Rechnen Sie immer die Gesamtsumme für die geplante Projektdauer.
Die Fläche unterschätzen. Wer zu knapp plant und später nachrüsten muss, zahlt die Anfahrt zweimal. Lassen Sie die Turmanzahl vor dem Angebot anhand des Lageplans festlegen, nicht nach Gefühl.
Den Schadenfall nicht gegenrechnen. Entscheidend ist nicht, was die Überwachung kostet, sondern was ein Vorfall kostet. Neben dem Materialwert stehen dabei meist der Bauverzug und die Folgekosten – die den gestohlenen Kupferwert oft um ein Vielfaches übersteigen.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Videoturm auch für zwei oder drei Wochen?
Ja, die Systeme sind auf Kurzzeitmiete ausgelegt. Der Tagessatz liegt höher als bei langer Laufzeit, weil Anfahrt und Aufbau auf weniger Tage umgelegt werden. Für kritische Bauphasen mit hohem Materialbestand rechnet sich das trotzdem häufig.
Brauche ich einen Stromanschluss auf der Baustelle?
Nein. Die Türme arbeiten über Akku und optionale Solarpanels und sind per Mobilfunk angebunden. Gerade auf unerschlossenen Flächen ist das der entscheidende Vorteil gegenüber fest installierter Technik.
Zahlt meine Versicherung weniger, wenn die Baustelle überwacht ist?
Das hängt vom Vertrag ab. Manche Versicherer honorieren nachweisbare Sicherungsmaßnahmen, andere machen sie bei bestimmten Objekten sogar zur Auflage. Klären Sie das vor Vertragsabschluss mit Ihrem Versicherer – und lassen Sie sich die Maßnahme vom Dienstleister dokumentieren.
Kann ich während des Projekts aufstocken?
In der Regel ja. Lassen Sie sich den Preis für einen zusätzlichen Turm aber schon im Erstangebot nennen, dann gibt es später keine Diskussion.
Konkretes Angebot statt Schätzung
Für eine belastbare Zahl brauchen wir drei Angaben: Fläche und Lageplan, geplanter Zeitraum und was genau geschützt werden soll. Damit bekommen Sie in der Regel innerhalb von 24 Stunden ein Angebot mit aufgeschlüsselten Positionen – und auf Wunsch die Gegenrechnung zur Personalbewachung, damit Sie auf Zahlen entscheiden können.
Mehr zur Technik, zum Ablauf und zum Vergleich mit Wachpersonal finden Sie auf unserer Seite zur mobilen Videoüberwachung. Für dauerhafte Bewachung mit Personal siehe Baustellenüberwachung, für Brandgefahren bei Heißarbeiten oder ausgefallener Brandmeldeanlage die Brandwache.